Es gibt viele Gründe, warum Produkte verpackt werden müssen. Das Wie ist entscheidend. Wie gross der Unterschied zwischen Beutel und Karton sein kann, zeigt die Verpackung von Reis. Auch die Migros steckt sich Ziele.von Bernhard Raos*Warum braucht es eigentlich Verpackungen? Diese Frage stellt sich so manche Käuferin, wenn sie entnervt den Müll entsorgt oder sich die Nägel an einem hartnäckigen Plastik ruiniert hat. Vorab diese Feststellung: Die meisten Produkte sind aus praktischen Gründen verpackt. Die Hüllen und Behälter sollen den Inhalt schützen, attraktiv aussehen, die Waren lager- und transportfähig machen und die Konsumierenden informieren.
Gleichzeitig gilt für Verpackungen das Motto: So wenig wie möglich und so viel wie nötig – aus ökonomischen und ökologischen Gründen. Jede Verpackung ist folglich immer auch ein Kompromiss.
All die Tuben, Plastikschalen und Folien erhöhen die Kosten und landen in der Regel im Abfall. Dort türmen sich die Verpackungsreste nach Schätzungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) zu einem Berg von knapp einer Million Tonnen pro Jahr (2010: 960 000 Tonnen). Rund 35 Prozent des Schweizer Haushaltmülls bestehen aus Verpackungen. Damit ist Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft bei der Umweltorganisation WWF, gar nicht zufrieden: «Mehrwegverpackungen sind leider out, auch deshalb wächst der Abfallberg in der Schweiz weiter an. Umso wichtiger ist es, dass die Einwegverpackungen endlich besser werden. Das heisst weniger Material, leichtere Verpackungen und rezyklierbare Materialien.»
Weniger UmweltbelastungMit dieser Forderung rennt der WWF Vertreter bei der Migros offene Türen ein. Hier will man bis 2013 die Umweltbelastung von Verpackungen der 250 am meisten verkauften Artikel um zehn Prozent reduzieren. Pro Produktekategorie und Quartal soll mindestens eine Verpackung optimiert werden. Weitere Zielsetzungen: Bis im Jahr 2020 bestehen alle Papier- oder Kartonverpackungen nur noch aus Recycling-Karton oder sind FSC-zertifiziert. Das Label FSC garantiert Holzprodukte aus umweltgerechter Produktion. Und der Anteil von Recycling-Material bei PET-Verpackungen soll 2015 bis 50 Prozent betragen.
Mit diesen Zielen liegt man bis jetzt bei der Migros im Plan. «Nach dem ersten Jahr haben wir bereits 55 Prozent des Ziels erreicht und die Umweltbelastung bei den Verpackungen der 250 meistverkauften Produkte um fünf Prozent reduziert», sagt Heidi Oswald, Projektleiterin Ökologie beim Migros Genossenschafts Bund. Zusätzlich wur den verschiedene Verpackungen weiterer Produkte angepasst. Die Gesamtbilanz liest sich eindrücklich. So wurden innert eines Jahres 119 Verpackungsgruppen optimiert, fast 1000 Tonnen Material eingespart, rund 500 Tonnen neu durch Recycling-Material ersetzt und über 2700 Tonnen FSC-zertifiziertes Papier bzw. Karton verwendet. Wo man Umverpackungen weglassen kann, sinkt das Gewicht der Produktehüllen teilweise massiv – um 92 Prozent beim Brieflocher ohne Kunststoffschachtel und um 88 Prozent bei Vorratsdosen ohne Einlegekartons.
Dünnere FlaschenOptimieren lässt sich auch mit Materialreduktion. Dank dünneren Mineralwasserflaschen (1,5 Liter) der M-Budget-Linie werden jährlich 159 Tonnen PET eingespart. 170 Tonnen Glas weniger sind es wegen der dünnwandigeren Gläser von Extra-, Favorit- und Léger-Konfitüren. 21 Tonnen weniger Kunststoff braucht es für die Trinkjoghurt-Flaschen (65 ml) mit den dünneren Wänden. Und weitere 17,6 Tonnen Kunststoffeinsparung bringt die dünnere Hülle bei den Sichtfenstern der Brotverpackungen.
In der Schweiz gilt für Getränkeverpackungen aus Glas, PET und Aluminium eine Mindestverwertungsquote von 75 Prozent. 2010 betrug der Rücklauf über alle Sammelstellen bei Glasflaschen beachtliche 94 Prozent, bei Aludosen 91 Prozent und bei PET-Flaschen 80 Prozent. Das Sammelgut lässt sich umso besser rezyklieren, je «sortenreiner» es anfällt. Daher ist beispielsweise die PET-Sammlung auf Getränkeflaschen beschränkt. Der Migros-Getränkeabfüller in Aproz setzt bereits 35 Prozent Recycling-PET ein. Auch die Flaschen für Mundspülungen bestehen zu 30 bis 50 Prozent aus wiederverwertetem PET.
Die Konsumierenden entscheidenDoch neben den traditionellen Einsparmethoden gibt es auch innovative Ansätze mit alternativen Verpackungsarten. Zum Beispiel ein Beutel statt einer Kartonschachtel bei der Packung Basmati-Reis. Mit dieser Umstellung kann die Umweltbelastung um 64 Prozent gesenkt werden. Sogar 90 Prozent weniger Umweltbelastung sind es, wenn Konsumentinnen für ihre Tagescreme der Linie Q 10+ einen Nachfülltiegel verwenden.
Letztlich sind es aber die Verbraucher, die auch bei Verpackungen mitreden können. Was Konsumierende bewegt, zeigt eine Auswertung des Kundenservices M-Infoline: So reklamieren Kunden wegen der Verpackungsmenge und des Volumens, sie beanstanden ferner die Benutzerfreundlichkeit und ärgern sich, wenn sie den Aufdruck schlecht lesen können oder wenn er fehlt. Verpackungen zu verbessern, ist eine ständige Herausforderung.
*Dieser Text stammt aus der Juli-Ausgabe von Vivai, dem Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der Migros.
Vivai anschauen und bestellen unter www.migros.ch/vivai.