Wir essen längst nicht mehr nur zu Hause am Esstisch, sondern auch im Stehcafé oder zwischen zwei Terminen im Laufen. Die Fachleute sprechen von «Mobile Eater». Auf was mobile Esser achten sollten.von Marianne Botta Diener*
Es duftet vielfältig und verführerisch in der Unterführung des Bahnhofs Bern: nach Hamburger, Brezel, Bratwurst, Pizza und Kebab. Täglich gehen hier rund 150 000 Personen vorbei. Darunter viele Pendler, die auf dem Weg von oder zu den Zügen noch etwas mitnehmen. Zwischen zwölf und dreizehn Uhr sieht man auch viele Menschen, die hier für ihr Mittagessen anstehen.
«Mobile Eating bleibt ein sehr lebendiger Trend, weil wir immer mobiler werden», sagt die Ernährungswissenschaftlerin und Trendforscherin Hanni Rützler aus Wien. Tatsächlich hat diese Art von Ausser-Haus-Verpflegung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Zeit, sich ins Restaurant zu setzen, fehlt vielen Menschen, die Nachfrage nach schneller Verpflegung unterwegs steigt stark an. Sandro Bedin, Category Manager Gastronomie beim Migros-Genossenschafts Bund, sagt: «Die Zuwachsrate der Take-away-Verkäufe bei Migros liegt jährlich im zweistelligen Bereich, während die Konsumationen in den Restaurants gleich bleiben.»
Doch eine Erfindung der modernen Zeit ist die schnelle Verpflegung nicht. In den engen Mietwohnungen im alten Rom, in denen die einfache Bevölkerung wohnte, gab es oft keine Küche. Deshalb mussten sich viele Römer in sogenannten Gemeinschaftsküchen verpflegen, die entsprechend populär waren. Und als zu Beginn des industriellen Zeitalters die Menschen zwölf bis vierzehn Stunden in den Fabriken arbeiten mussten, begann man, aus Zeitersparnis am Arbeitsplatz zu essen, beispielsweise in England «Fish and Chips». Den endgültigen Durchbruch schafften die Schnellimbissbuden aber erst mit der Emanzipation der Frau, die deren Zeit am Herd verkürzte, da Frauen vermehrt berufstätig wurden. Zum Kochen bleibt den meisten Familien heute weniger Zeit als noch vor vierzig Jahren. Folglich verlagerte sich die Verpflegung auch nach aussen.
Fast-Food-Gerichte hatten lange einen schlechten Ruf und wurden noch im 5. Schweizerischen Ernährungsbericht von 2005 als mehrheitlich nicht empfehlenswert eingestuft. Sie lieferten, so die Kritik, zu viele Kalorien, zu viel Fett, zu viel Salz und zu wenig Nahrungsfasern. Das gilt auch heute für Hamburger, Weissbrotsandwiches, Pizzas oder Hotdogs.
«Heute erwarten die Menschen nicht nur klassische Fast-Food-Angebote, sondern ein breites Spektrum an kulinarischen Alternativen, die sie ohne schlechtes Gewissen geniessen können», sagt Trendforscherin Rützler. Aus dieser Erwartung heraus hat sich das Angebot in den letzten Jahren auch qualitativ verbessert. Es locken vielfältig arrangierte Salatschalen, Vollkornsandwiches mit Frischkäse und grilliertem Gemüse, Bio-Birchermüesli, Gemüse zum Dippen und frische Fruchtsalate.
«Ich empfehle, auf saisonale Gerichte zurückzugreifen», sagt der Ernährungswissenschaftler und Vivai-Experte David Fäh. Er findet auch Bekanntes sinnvoll, wie Mozzarella-Sticks, Eier oder Hüttenkäse. Fäh erachtet die Preise gesunder Gerichte als durchaus moderat, zumal wir sowieso immer weniger Geld fürs Essen ausgeben würden. Zwischen 7.50 und 12.50 Franken kostet etwa bei Migros Take Away ein ausgewogenes Menü. Wohin entwickelt sich die mobile Nahrungsaufnahme? David Fäh glaubt: «Dem Nachhaltigkeitsgedanken wird immer stärker Rechnung getragen, etwa bei der Wahl der passenden Verpackungen.»
Wer sich gesund verpflegen möchte, kann beispielsweise bei Migros Take Away ein Délifit-Gericht wählen. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Ernährungsberaterin Rita Fricker entwickelt und muss genau definierten Richtlinien bezüglich der Zusammensetzung entsprechen. Da zu gehört beispielsweise ein bestimmter Proteinanteil, aber auch hochwertige Öle oder der Anteil an Ballaststoffen. Doch genau wie bei den anderen Angeboten steht auch bei den Délifit-Produkten der Genuss im Vordergrund. Gesundes muss schmecken.
Tipps fürs Auswärtsessen: Bitte mal abwechseln- Fast-Food-Menü mit Bedacht wählen. Die Deklaration (Angaben zu Fett, Proteinen usw.) lesen. Fehlende Nährstoffe bei den anderen Mahlzeiten des Tages ergänzen.
- In Gemeinschaft geniessen, sitzend und am besten auch mit Besteck essen.
- Langsam essen und stoppen, wenn das Sättigungsgefühl eintritt, auch wenn Reste übrig bleiben. Besser den Brotrand sein lassen als die Füllung des Falafels, besser den Salat aufessen als das Brötchen dazu.
- Das interkulturelle Angebot nutzen und variieren. Das heisst auch mal indisches Take-away ausprobieren.
*Dieser Text stammt aus der September-Ausgabe von Vivai, dem Wohlfühl- und Nachhaltigkeitsmagazin der Migros.
Vivai anschauen und bestellen unter www.migros.ch/vivai.